Wanderer zwischen Klangwelten

Veröffentlicht: 10. August 2019 in Allgemein

19-179-56Der Braunschweiger Jazzpianist Elmar Vibrans erweist sich als erstaunlicher Allrounder                                                 Text: Klaus Gohlke  Fotos: Elmar Vibrans

 Kultur im Zelt, Bassgeige, Staatstheater Braunschweig, Figurentheater Fadenschein, BS-Energy Café, Kulttheater, Roter Saal, Galerien. Überall taucht er auf, aber das sind längst nicht alle Orte. Und spielt dort Klavier, Orgel, Synthesizer, Akkordeon, Bass, Melodica, Gitarre. Was vergessen? Ja, Schneemann, eine Nebenrolle im Kindertheater. Er komponiert, leitet, macht Geräusche. Ein Workaholic also? Ein hyperaktiver Musiker?  Mitnichten. Elmar Vibrans sitzt am Tisch. Ruhig, nahezu entspannt, freundlich-sachlich erzählt er davon, was ihn bewegt, interessiert. Wie er zur Musik kam.

In den USA 1963 geboren, aber gleich danach mit der Familie, alteingesessene Braunschweiger, zurückverpflanzt in ein Dorf bei Schöppenstedt. Schule, Klavierstunde und Musik aufsaugen. Art- und Progrock, später Jazzrock, also etwa Genesis, Pink Floyd, Manfred Mann’s Earthband, Yes, Joni Mitchell, George Duke, Joe Zawinul, ELP. Brechen wir hier einfach mal ab.  Aber immer schon weg vom Mainstream, vom Pop vor allem. Was er nicht mochte, das war das Solo-Gegniedel. „Ich mag Musik mit Songstrukturen. Ich bin melodieorientiert.“ Auch das Covern von Songs ist nicht seins. „Fürs Handwerkliche ist das gut, ja. Aber es ist letztlich langweilig. Ich muss mich selbst einbringen können mit meinen musikalischen Ideen.“

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Das Tricksige liebt er, witzige Ideen. Wie Musik noch klingen kann, das interessiert ihn. Acht Projekte hat er am Laufen. „Das klingt jetzt gewaltig. Aber das läuft ja nicht alles gleichzeitig. Sehr verteilt über die Wochen und Monate!“, stellt er gleich klar. Sie spiegeln seine musikalischen Interessen wieder, sind ein Spiegelbild seiner selbst.

Es gibt da Jazzzrockiges und Souliges. Diverse Trios für Standards und Pop-Jazz, für Eigenkompositionen. Bands, in deren Zentrum Verbindungen von Jazz und Literatur stehen. Und dann ist da noch ein Duo mit dem Braunschweiger Jazzgitarristen Dietmar Osterburg („eigentlich mein Lieblingsprojekt“) und schließlich noch ein Freejazz-Ensemble.

„You can’t catch me. Festlegen, nein, danke!“, könnte man frei übersetzen. Das gilt auch für ihn als „Tastenmensch“. Klavier spielt er, na klar. Aber auch die elektronischen Piano-Verwandten bedient er professionell. Professionell? Ist er professioneller Musiker? „Ja, ich lebe davon. Nicht von den Auftritten allein, auch nicht von Theaterarbeit. Das ist gutes Zubrot. Basis ist der Klavierunterricht. Ich bin eigentlich studierter Geologe. Aber ich hatte gute Kontakte zur hiesigen Musikszene, vor allem fünf Jahre Jazzpiano-Unterricht bei Otto Wolters. Ich dachte, dass ich tun sollte, was mir Spaß macht. Wissen Sie, ich bin ein Mensch, der die Sache auf sich zukommen lässt!“

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Das trifft es. So präsentiert er sich bei den Auftritten. Er steht nicht im Zentrum. Aber auch nicht am Rande. Er ist nicht der Tastenlöwe, aber auch kein Backgrounder. Folgerichtig interessieren ihn auch nicht Solo-Piano-Projekte, etwa  in Keith-Jarrett-Manier. „Ich brauche den Dialog mit den anderen Musikern. Improvisation ist deswegen toll, weil man Ideen kommuniziert, angeregt wird. Am extremsten im freien Spiel beim „Ensemble auf Zeit“, da ist man musikalisch echt gefordert.“

Vibrans ist ein gefragter Musiker in der Braunschweiger Szene, was natürlich mit seiner Kompetenz und musikalischen Neugier zu tun hat. Er ist hervorragend vernetzt,  vor allem aber: er ist zuverlässig. Er sieht aber auch, dass es für ihn eine Art „Gnade der frühen Geburt“ gibt. „Als ich mit der Musik anfing, als sich die Szene hier entwickelte, gab es noch keinen Studiengang „Jazzmusik“. Heute ist der Konkurrenzdruck viel größer. Ich komme – wie früher üblich- von der Praxis her. Die steigen heute mit hohem Niveau ein, müssen dann aber eine eigene Sprache finde, was unheimlich schwer ist.“

 

Gibt es noch Ziele für ihn? Vibrans denkt nach. „Ja, weitermachen. Neue Synthie-Sounds raustüfteln, sich verbessern und die Herzen der Leute gewinnen.“ Letzteres dürfte mit der Nische Jazz nicht so einfach sein. Da er aber musikalisch offen ist, hat er keine schlechten Chancen.

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