Da geht doch mehr!

Veröffentlicht: 2. März 2020 in Allgemein

 

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Das „Jan Behrens Trio“ stellt neue Songs im ausverkauften Roten Saal vor

Text und Fotos: Klaus Gohlke

Lag es an der Abmischung, lag es am Konzept, an einer gewissen inneren Anspannung? Wahrscheinlich an allem. Der Braunschweiger Pianist Jan Behrens will demnächst eine neue CD einspielen und stellte an frühen Sonntagabend einem breiteren Publikum im Roten Saal das frische Songmaterial vor. Nun ist die Arbeit im Tonstudio nicht mit einem Live-Auftritt zu vergleichen. Wäre es aber so, dann erwartete die Öffentlichkeit wenig Aufregendes.

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Dabei verkündete Behrens Programmatisches. Es ginge ihm nunmehr um andere Sounds, um den Versuch, die  Dinge einfacher zu machen. Weg von der Komplexität. (Aber: Gab es die denn je bei diesem Trio?) Schon was die Taktwahl beträfe, käme er immer öfter zum Walzer. (Wogegen ja prinzipiell nichts einzuwenden wäre!) Überhaupt lebe die Kunst ja vom Ausprobieren, deshalb sei diesmal auch das Genre „Country“ vertreten. (Was auch weder verwerflich noch revolutionär ist.) Nur: Geht es wirklich um die große Kunst des Einfachen oder bleibt es ein Verharren im Schon-Bekannten, um Simplifizierung?

Werden denn die musikalischen Mittel, die die Handwerkskiste des Jazz doch zu Hauf bietet, genutzt, um aus diesen traditionellen Formen etwas Aufregendes zu machen? Etwas, was die Variation des Immergleichen durchbricht und aufhorchen lässt, ohne deswegen hoch abstrakt zu werden?

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Die Stücke zeichnen sich überwiegend durch eine gewisse strukturelle Gleichförmigkeit aus. Das liegt nicht daran, dass Behrens‘ Kompositionen repetitive Bausteine verwenden. Die zweifellos vorhandenen harmonisch-rhythmischen Figuren werden einfach nicht entfaltet, sondern schmerzhaft in einem dynamischen Einheitsbrei platt gespielt. Die Piano-Soloparts bleiben harmonisch und rhythmisch eher schematisch. Gegen Wohlklang ist ja nichts einzuwenden, sofern er sich nicht darin erschöpft. Es fehlte einfach an Gestaltung.

Warum etwa nicht mal die völlige Zurücknahme des Pianos, um André Neygenfind am Kontrabass Geschichten erzählen zu lassen? Und Eddie Filipp am Schlagzeug Raum und Zeit zu geben, Klangfarben zu entfalten und Akzente zu setzen, die die Strukturen durchbrechen? Natürlich spielen beide präzise ihre Rolle, und sie hatten auch ab und an Gelegenheit, sich solistisch zu präsentieren. Aber das blieb doch alles sehr konventionell.

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Auch die Präsentation eines Special Guests, nämlich der Vokalistin Britta Rex, brachte nur bedingt Farbe in die Sache. Sie kam zum einen gegen den Klangwall nicht an, zum anderen schien zumindest zu Beginn die Tonlage der Komposition ungeeignet, um sich abzuheben.

 

Dass das anders gehen kann, zeigte das Trio zunächst in einer vom Takt her interessanten 7/4 -Komposition,  und Britta Rex zum Schluss in der Bearbeitung einer Cassandra Wilson – Nummer, bei der sie loslassen konnte, um ihre Scat-Gesang-Talente zu zeigen.

 

Die Generalprobe war wenig überzeugend, das spricht für ein besseres Ergebnis im Studio.

 

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