Edle Gitarren und Bässe aus Braunschweig Text und Fotos: Klaus Gohlke

Veröffentlicht: 18. August 2015 in Allgemein

Ich mache dir die Maßgitarre

Matthias Meyer hat mit „Bassart“ eine respektable Nischenproduktion aufgebaut

Den Laden musst du erst einmal finden! Büchnerstraße in Braunschweig. Wobei – es ist ja kein Laden. Vielmehr eine Kelleretage: ausgedehnter Werkstattbereich mit einem Geschäftsraum. Ein Ein-Mann-Betrieb. Sitz der Firma „Bassart Guitars“. Ja, richtig. Da baut ein Mensch Gitarren und Bässe, elektrische. Ja, und auch richtig: Das klingt sehr abgedreht.

Es gibt doch Fender, Gibson, Ibanez, ESP, und vor allem diesen ganzen Fernost – Plunder à la Harley Benton, den Mega-Musikalienhändler in den Markt schwemmen. Warum, lieber Matthias Meyer, so heißt der gelernte Tischler und  von der Handwerkskammer anerkannte Gitarrenbauer, soll ich bei Ihnen eine Gitarre kaufen?IMG_0194

„Um es gleich klar zu sagen: Wenn du eine Gitarre für 100 bis 150 Euro bei mir haben willst, dann bist du verkehrt. Ich baue nur hochwertige Instrumente. Es ist vergleichbar mit einem Anzug, den du dir vom Schneider machen lässt. Der ist dir exakt angepasst, deine Wünsche sind berücksichtigt. Ein Maßanzug. Ich mache dir die Maßgitarre.“

Das klingt gut, konfrontiert den Käufer aber mit Fragen, die ihm beim Kauf eines Fertigprodukts erspart bleiben. Man muss u.U. selbst die Form des Gitarrenkörpers festlegen. Sich Gedanken über die Gestaltung der Decke und des Kopfes machen. Will man z.B. Birkenfournier oder eine Farblackierung? Man muss sich mit der Elektrik beschäftigen. Den Tonabnehmern, Schaltern, Knöpfen und was es sonst noch gibt. Will ich hochwertigste Technik aus Deutschland oder günstigere aus Asien? Mechanikfragen sind zu erörtern. Und Ökologisches: Fragen der nachhaltigen Herstellung. Ist das Holz zertifiziert, die Händler regisrtiert?  Oder aber will man ein Instrument ganz aus einheimischem Holz, z.B. Elm-Esche. Meyer kooperiert mit der dortigen Försterei. Hohe Anforderungen an die Käufer!

Meyer sieht das gelassen. „Natürlich ist viel mehr zu kommunizieren. Aber du verstehst dann auch mehr von deinem Instrument. Und vor allem: Du hast ein ganz individuelles Produkt, ein Unikat. Und wenn etwas nicht in Ordnung ist, kann alles direkt hier geklärt werden.“IMG_0195

Das klingt gut, riecht aber nach happigem Preis. „Es kommt darauf an, was du ausgeben kannst und willst“, beruhigt Meyer. „Ich muss auch auf ein vernünftiges Preis-Leistungsverhältnis achten. Sonst kann ich nichts verkaufen. Deshalb biete ich auch fünf eigene Modelle mit Varianten an und beliefere damit Händler in Deutschland, der Schweiz, Spanien und den USA. Diese Instrumente sind Serie. Wer nicht mitentscheiden will, nimmt so ein Instrument.“

Der Mann ist sehr zurückhaltend. Von sich aus erwähnt er nicht, dass 1.Liga-Musiker auf seinen Instrumenten spielen: die Scorpions, Metallica, Neurosis etwa. Hard Rock, Metal, das ist, was er selbst am Bass auch gern spielt, er ist also auch Praktiker.

Wenn man in das produktive Chaos der Werkstatt blickt, fallen Maschinen auf. Elektrohobel, eine CNC-Fräse, Kreis- und Bandsägen. Werkzeuge, Hölzer, Farben. Alles Sachen, die Geld kosten. Und das soll der Instrumentenbau alles einspielen? „Nee. Ich hab noch weitere Standbeine, sonst käme ich nicht hin. Reparaturen, auch vom Equipment, Restaurationen, Farblackierungen, Aging (künstliches Auf-alt-Trimmen). Da kommen Aufträge aus halb Europa. Sehr interessante Dinge mitunter.“

Matthias Meyer, Anfang 50, wirkt zufrieden mit seiner Tätigkeit. Zwanzig Jahre macht er das schon. Aber – immer allein vor sich hin werkeln, ist das nicht doch etwas einsam? Das sieht er nicht so. Er sei eigentlich schon immer ein Eigenbrötler. Leute einstellen, das sei alles mit Bürokratie verbunden, lenke vom Eigentlichen ab: der Tüftelei mit Instrumenten.

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