Galerie auf Zeit Braunschweig: Freie Improvisation

Veröffentlicht: 15. August 2015 in Allgemein

Es muss grooven!

Der Galerist Hans Gerd Hahn und sein Mitarbeiter Alfred Olbrisch erläutern ihre neue Veranstaltungsreihe  „Just Music“ in der „Galerie auf Zeit“

Galerie, das klingt nach Kommerz. Was ja nicht verwerflich ist. Man braucht Orte, die Kunst präsentieren, um sie zu verkaufen. Wie soll der Künstler sonst zu Geld kommen? Und der Käufer zu Kunst?  „Galerie auf Zeit“ meint, dass der Standort immer wieder wechselt. Leerstände werden zu Galerieräumen umfunktioniert. Verwunderlich wird es aber dann, wenn diese Galerie mehr als ein geschäftlicher Vermittlungsort sein will. In unserem Falle mit einer Veranstaltungsserie auf sich aufmerksam macht, die sich „Just music & more“  nennt. Immer am ersten Mittwoch eines Monats. Eine gute Werbestrategie?IMG_0200

Galeriechef Hans Gerd Hahn weist das weit von sich. Grundsätzlicheres stecke dahinter, wenngleich die Aufmerksamkeitsschiene natürlich nicht unwichtig sei. „Kunst soll nicht nur an den Wänden der Galerie stattfinden. Der ganze Raum muss bespielt werden!“, fordert Hahn. Ein umfassender Kunstbegriff schwebe ihm vor, schon immer. „Wir haben Theaterstücke von Picasso und Satie in der Galerie aufgeführt. Wir haben musikalisch begleitete Lesungen gehabt. Neu ist jetzt, dass es bei „Just music & more“ um eine ganze Abendveranstaltung mit Musik geht. Und zwar: freie Improvisation!“

Auweia. Da war doch mal so eine kurze Phase der Anarchie im Jazz! So etwas mit Solo-Ego-Trips, Jeder-gegen-Jeden-Gegniedel. Und dieses: „Du, kann ich mich da eben auch mal einbringen? So perkussionsmäßig und so?“index

Also Jekami: Jeder kann mitmachen in der „Galerie“? Wär doch ein guter Slogan. Alfred Olbrisch ist entrüstet. „Erstens spielen hier bekannte Jazzmusiker aus der Region. Die zweitens – und das ist ja der Grundgedanke von „Just music & more“ – im Spiel miteinander ausloten, was sich zusammen musikalisch entwickeln lässt!“

Also so etwas wie Echtzeit-Komposition? „Genau!“, ergänzt Hans Gerd Hahn. „Die Musiker gehen aufeinander ein, machen musikalische Vorschläge, bauen diese aus, deuten sie um usw. Toll ist es, wenn es groovt!“

Noch eine andere Idee steckt hinter dem Konzept der Veranstaltungsreihe, die Hahn mit dem Braunschweiger Saxofonisten Marcel Reginatto ersann. Die typische Konzertsituation soll verhindert werden. Also das, was beim Abspielen vom Blatt, beim Interpretieren notierter Musik sich schnell ereignet. Eine Art Statik. Stattdessen können die Gäste die Galerie betreten, verlassen, sich austauschen, weggehen, wiederkommen, in den Pausen mit den Musikern diskutieren.

Frage ist nur, ob das Konzept sich nicht schnell abnutzt. Hahn ist da optimistisch. „Natürlich spielen da nicht immer die gleichen Musiker. Nein, es ist auch daran gedacht, schon im September  mal eine reine Vokal-Improvisation zu machen. Mal sehen, was sich noch für Formate finden lassen!“

Und er ergänzt: „Regelverletzung oder – verstörung ist ein Prinzip aller Kunst. Uns geht es um die Aufbrechung von Wahrnehmungsmustern. Auch von Hörgewohnheiten, von Vorstellungen, was sich in einer Galerie ereignen soll!“

Das klingt spannend, die ersten Eindrücke sind gut. Ob „Just Music“ sich auf Dauer hält? Was ist, wenn’s kalt und nass wird und alle in den kleinen Galerieraum drängen? Was, wenn den Musiker der kreative Atem ausgeht? Es zeigt sich.

Just music & more. Jeden 1. Mittwoch im Monat ab 20 Uhr in der

Galerie auf Zeit,  Schlosspassage 6,   38350 Braunschweig

Text und Foto oben: Klaus Gohlke   Foto unten: G.D. Joseph

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