Klaus Gohlke über Mehravans Geburtstagsprojekt „Vom Folk zum Folkrock“

Veröffentlicht: 29. Juni 2015 in Allgemein

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Nacht der Hymnen

Das Folktrio Mehravan feiert sein 40jähriges Jubiläum mit dem Projekt „Vom Folk zum Folkrock“ in den Dowesee-Gewächshäusern

Zur Geburtstagsfeier zieht man sich ordentlich an. Zumindest bei Erwachsenen-Geburtstagen! Wenn nun aber die “dienstälteste Folkband der Region“ Mehravan das 40. Dienstjubiläum feiert, was ist dann das angesagte Outfit? Die bekennenden T-Shirt-ler sind wohl ausgestorben. Einmal ein Che – Guevara-Kopf, einmal ein genrefremder Bandname. Ansonsten? Nichts äußerlich Verbindendes, eines ausgenommen: Das Alter der Gäste.

Die Bewegung ist in die Jahre gekommen, man sitzt lieber. Und macht sich über dieses Faktum lustig, mitunter auch derb. „Ich komme mir vor wie beim betreuten Musizieren!“, so der Halb-Youngster André Huk von „Change Partners“. Man lacht darüber, ist ja schließlich auch wahr, nicht zu ändern.

18 Musiker waren beim Jubiläumsprojekt „The Story of Folk“ zusammen gekommen. Ein beständiges Kommen und Gehen auf der Bühne, technisch einwandfrei gelöst. Die Geschichte der Folkmusik sollte schlaglichtartig präsentiert werden. Das kann natürlich nur eine höchst subjektive Auswahl sein, eine Art „Best of – Katalog“. Dylan, Crosby, Stills, Nash und Young, John Denver, Donovan, James Taylor, Springsteens „Seeger-Sessions“: all die alten großen Namen und all die alten großen Songs einer Zeit, als es noch Langzeit-Idole im Musikbusiness gab.

Feine handgemachte Musik wurde da präsentiert. „Teach your children“ und „Heart of gold“ mit Harmoniegesang und makellosem Gitarrenspiel beindruckten. Merhavan hatte seine Glanznummer mit dem Merseburger „Zaubertanz“. „Loch Lomond“ wurde nicht versüßlicht,  eine Gefahr, der die akustischen Dylan-Interpretationen nicht ganz entgingen. Die Seeger-Session-Songs, die Folk-Rock-Nummern der Hooters und  Horselips, alles sauber eingespielt. Es wäre ungerecht, einzelne Bands, einzelne Musiker hervorzuheben.

Das Unprofessionelle war die Würze des Konzerts. Die Anspannung der Musiker und Musikerinnen, der erkennbare Wille, das Beste zu geben, der Ärger, wenn etwas nicht ganz wie geplant lief – alles fern glatter Routine. Das ist es, was die Zuhörer mit den Protagonisten auf der Bühne mitunter mitzittern lässt – dass hoffentlich alles klappe. Die glatte Perfektion interessiert nicht.

Über allem aber schwebt der Odem der sehnsuchtsvollen Hinwendung zum Vergangenen, das Schwelgen in Erinnerungen. Eine Sehnsucht ohne Zukunft allerdings, höchstens eine museale. Es gab keine New-Folk-Songs, keinen Blick nach vorn. „So ein Tag, so wunderschön wie heute, der sollte nie vergehn.“  Tut er aber.

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