Hard Bop Revitalisierung

Veröffentlicht: 24. März 2015 in Allgemein

Fetz-Jazz

 „Soul Jazz Factor“  spielt im Braunschweiger LOT-Theater zeitlosen Hard Bop

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Soul Jazz Factor

Gemütlicher Seelen-Jazz schien nicht angesagt. Die Musik der fünf Jazzer – drei US-Amerikaner, ein Österreicher, ein Schweizer – sprang einen förmlich an. Satte rhythmische Grundierung durch Joris Dudli am Schlagzeug, Jared Gold am „Hammond-B3“-Keyboard und John Arman an der E-Gitarre. Im Zentrum aber die beiden Bläser Jeremy Pelt (Trompete) und Vincent Herring (Alt-Sax). Ihre spitzigen, rasanten und absolut präzisen Unisono-Riffs, stellten das Thema vor und dann ging es ab in die Improvisation. Dieser Konzertbeginn  war gewissermaßen programmatisch, ein wenig durchbrochen durch zwei Balladen und einen Gospelrückgriff.Vincent Herring 1

Eigentlich war es eine Jazz-Zeitreise. Nicht irrsinnig lang zurück, nur fünfzig Jahre, in die Zeit des Hard-Bop. Zum Jazz, der nicht länger abgehoben harmonisch herumfrickeln oder obercool sein wollte, stattdessen einen reflektierten Blick auf die schwarzen musikalischen Traditionen und eine Versöhnung von Kopf und Seele anstrebte.

„Soul Jazz Factor“ machte aber nicht einen auf Retro oder  Nostalgie. Etwas überraschend Zeitloses wurde stattdessen am Sonntagabend im sehr gut besetzten LOT-Theater hörbar. Das lag zum einen sicherlich daran, dass man die Hits jener Jahre ignorierte und stattdessen Eigenkompositionen spielte.John Arman 2

Vor allem aber bestachen das Können und die Präsenz der Musiker. Allen voran Vincent Herring, dicht gefolgt von Jeremy Pelt. Meisterhaft der Umgang mit Spannungsauf- und -abbau, mit Veränderungen der Tempogestaltung, der Akzentuierungen innerhalb der Soloparts. Souverän verfügten sie über die Stilmittel unterschiedlicher Jazzgenres. Mit ihnen präsentierten sich zwei sehr angenehm selbstbewusste Musiker. Freilich hätte Herring statt doch sehr weitschweifiger Erläuterungen zu Songtiteln lieber ein Stück mehr spielen können.

Jared Gold 1

Daneben wirkte John Arman fast ein wenig verschüchtert mit seinen tadellosen Akkord- und Einzelsaiten-Soli auf der clean gespielten Jazzgitarre. Jared Gold agierte sowohl  hintergründig melodisch, als auch solistisch.Sein Gospel-Intro in „You got soul“ schuf wunderbar die Atmosphäre  dieses Hammond-Orgel-Sounds einer amerikanischen Baptistenkirche, um es dann mit wenigen Akkordauflösungen ironisch zu unterlaufen. Ein Meister seines Fachs.

Joris Dudli 3

Für das alles lieferte Joris Dudli uneigennützig und absolut funktional die Beats. Insgesamt ein tolles Zusammenwirken der Band, was das Publikum hoch erfreute.

Text: Klaus Gohlke

Fotos: K.C. Amme

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