Triosence in Braunschweig

Veröffentlicht: 14. Februar 2015 in Allgemein

Trio1Der Witwe – Bolte- Effekt

Ausverkauftes Haus beim „Triosence“-Konzert im Braunschweiger Schimmel-Auswahlzentrum

Mit dem wieder Wieder-Aufgewärmten ist das ja so eine Sache, es ist oft kein Gewinn. Aber –  es gibt ja auch den Witwe-Bolte-Effekt. Die aus Wilhelm Buschs „Max und Moritz“, von der es heißt, „dass sie von dem Sauerkohle/ eine Portion sich hole/ wofür sie besonders schwärmt/ wenn er wieder aufgewärmt.“

Das Pianotrio „Triosence“ mit ihrem Mastermind-Pianisten Bernd Schüler, dem exzellenten Rhythmiker Stephan Emig und  dem Bassisten Ingo Senst gastierte in Braunschweig anlässlich einer CD-Release-Tour. Eine Best-of-Scheibe galt es zu präsentieren, also Aufgewärmtes. Damit es aber nicht als Karriereabschlusswerk erscheine, hat man die Lieblingsstücke in Form von Live-Mitschnitten heraus gebracht. Das Trio, das sich anschickte, den Jazz zu re-melodisieren, um ihn wieder nachvollziehbar zu machen, lieferte also gewissermaßen Aufgewärmtes mit Nachwürze. Und erreichte das Publikum im Handumdrehen. Man kann sich dem gehobenen Wohlklang auch nicht entziehen, es sei denn, man will partout der Herr Sauerbier sein. Das Trio spielt traumhaft sicher zusammen. Es groovt, wenn es abgeht, dass man sich dem körperlich kaum entziehen kann. Das gospelige „Three fo(u)r fun“ ist der Herz-Erwärmer überhaupt. Ein Geniestreich.Trio2

Die Kompositionen Schülers haben oft Stil und blühen in der Performance auf. Gekonnt arbeitet man auf den Ebenen Dynamik, Harmonik und vor allem der Rhythmik. Stefan Emigs äußerst differenzierte Arbeit am Drumset nötigt Respekt ab. Seine perkussive Hand- und Körperarbeit ist verblüffend. Da bleibt Ingo Senst am Bass eher traditionell in der Rolle des hintergründig Tieftönenden. Etwas mehr Saft hätte gut getan.

Aber – man darf es nicht verschweigen – es gibt auch etlichen musikalischen Leerlauf. Es ist nett gemeint, das Publikum rhythmisch einzubinden. Was dazu aber musikalisch begleitend ablief, war doch recht ermüdend.. Und das eben nicht nur einmal. Auch die Moderation wird langsam stereotyp und weitschweifig.

Der Kampf gegen den abstrakten Jazz, das ist eigentlich Früher. Die Melodie,  auch der Wohlklang sind längst etabliert. Triosence muss sich umorientieren, sonst wird das zu  Abgestanden-Aufgewärmtem.

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